Zeugnis einer weltberühmten Liebesgeschichte:
Goethes Briefe an Charlotte von Stein
„Wie freu ich mich, dass ich so bin, dass du mich lieben kannst...", so endet einer der unzähligen Briefe Goethes an Charlotte von Stein. Goethes mehr als zehnjährige Beziehung zu ihr ist in ihrer Intensität unvergleichlich. Fast 1.800 Briefe, Zettelchen und Gedichte - in einer hinreißenden Sprache geschrieben - zeugen von der einzigartigen Liebe zu der Hofdame, die auf die Entwicklung des jungen Goethe einen maßgeblichen Einfluss nahm.
Als Goethes Briefe an Charlotte von Stein zum ersten Mal herausgegeben wurden, lüfteten sie für eine erstaunte Öffentlichkeit den Mantel des Geheimnisses, der diese Liebe bis dahin umgab. Fritz von Stein, Charlottes jüngster Sohn und Liebling, hatte treu die Zeugnisse dieser Liebe, fast 1.800 „Zettelgen" und Briefe, bewahrt. Frau von Stein hatte die ihren von Goethe zurückgefordert und vernichtet. Goethes Briefe an sie, die von der wohl größten Liebe seines Lebens zeugen, gewähren uns einen Blick auf eine weltberühmte Liebesgeschichte.
Unter den Briefen, die von Dienern oder Boten von Goethe zu Charlotte getragen worden sind, finden sich kurze und lange, hier und da mit einem Gedicht versehen, Reiseberichte und einfache Zettelchen, die kleine Geschenke begleiteten - eine Blume, ein Bündel Spargel aus dem Garten, eine Weintraube. Goethe fragt nach Charlottes Befinden, begrüßt sie am Morgen, wünscht ihr eine Gute Nacht oder kündigt sich zum Abendessen an. Und immer wieder sagt er ihr in immer neuen und anderen Worten, dass er sie liebt. Er umwirbt sie, versichert sie seiner Treue, seiner Anhänglichkeit und Verehrung. Die Briefe zeugen von Freuden und manchmal auch von Enttäuschungen der Liebenden, die durch Aussprachen wieder geglättet wurden. Er findet für sie eine ganz einmalige, besondere Sprache.
Über 10 Jahre währte diese berühmte Liebesgeschichte, deren Zeugnis die Briefe Goethes an Charlotte sind. Dann verschwand Goethe plötzlich, reiste ohne ein Wort zu sagen fluchtartig nach Italien ab und bleib dort für über 1 ½ Jahre. Als er nach Italien aufbricht, gesteht Goethe sich und der Freundin nicht ein, dass er damit das Ende ihrer Liebe herbeiführt.
Jürg Wisbach, bis zur Spielzeit 2009/2010 Schauspieler am deutschen Nationaltheater Weimar, lässt seine Zuhörer im Liebhabertheater auf Schloss Kochberg gewissermaßen „durchs Schlüsselloch" auf eine große, bis heute geheimnisvolle Liebe blicken. Besonderen Reiz gewinnt diese Brieflesung dadurch, dass sie im 1800 erbauten Liebhabertheater auf dem ehemaligen Landgut der Adressatin Charlotte von Stein stattfindet.
Wie freu ich mich, dass ich so bin, dass du mich lieben kannst...
Goethes Briefe an Charlotte von Stein
Lesung: Jürg Wisbach