FREUNDE DES LIEBHABERTHEATERS SCHLOSS KOCHBERG E.V.

 

„Der Parasit"
Lustspiel von Friedrich von Schiller

„Haben wir je einen deutschen Shakespeare zu erwarten, so ist es dieser", erfahren wir aus einer der Kritiken zur Uraufführung von Schillers Erstlingsdrama „Die Räuber" in Mannheim. Dem Dramatiker Schiller widmet das Liebhabertheater eine eigens für diesen Anlass vom Bochumer artEnsemble Theater erstellte Produktion des selten gespielten, aber überaus aktuellen Stückes „Der Parasit" , das unbedingt eine Wiederentdeckung wert ist. Die Aufführung in historischen Kostümen hatte am 30. Mai 2009 Premiere und wurde vom Thüringer Kultusministerium gefördert.

1803 übersetzte Schiller die 1797 in Paris uraufgeführte Komödie des französischen Autors Picard (1769-1828). Es entstand jedoch ein eigenes Stück. In der Übergangssituation der Gesellschaft nach dem Untergang des „ancièn regime" und dem Abebben der französischen Revolution findet der Blender und Emporkömmling Selicour den idealen Moment, um mit geschickten Intrigen seine Karrierelaufbahn vorzubereiten. Erst am Ende sieht er sich enttarnt. Aber - so endet das Stück mit einer augenzwinkernden Warnung: „Nicht immer ist es so. Der Redliche kann nicht durchdringen, die kriechende Mittelmäßigkeit kommt weiter als das geflügelte Talent, der Schein regiert die Welt, und die Gerechtigkeit ist nur auf der Bühne."

Die augenfällige Aktualität wahrzunehmen, ist - dem oft geäußerten ausdrücklichen Wunsch des Autors Schiller entsprechend - dem denkenden Zuschauer selbst überlassen. Die Inszenierung setzt ganz auf historisches Kolorit. Drei Schauspieler verwandeln sich in sieben Figuren und nehmen dabei auch Elemente des Figurentheaters zur Hilfe.