FREUNDE DES LIEBHABERTHEATERS SCHLOSS KOCHBERG E.V.

 

Einmaliges Raumkunstwerk restauriert

Zur Restaurierung des Bühnen- und des Zuschauerraums im Liebhabertheater Schloss Kochberg im Winter 2009 / 2010

Ein besonderes architektonisches Kleinod innerhalb der Klassik Stiftung Weimar ist das um 1800 erbaute einzigartige „Liebhabertheater", ein frei stehendes klassizistisches Theatergebäude, das zum Ensemble von Schloss Kochberg , dem Landsitz der Frau von Stein, gehört und in die Europastraße Historische Theater aufgenommen wurde. Es ist zudem ein äußerst lebendiges Museum, denn es finden dort pro Jahr ca. 40 Opern- und Theaterveranstaltungen sowie Kammerkonzerte statt. Die kostbaren Tapeten im Zuschauer- und Bühnenraum wurden im Winter 2010 aufwändig restauriert.

Das private Theater ließ Carl Freiherr von Stein, Charlotte von Steins ältester Sohn, nach eigenen Plänen errichten, als er das Rittergut Kochberg nach dem Tod seines Vaters Josias übernahm. Nach dem Vorbild des Weimarer Hofes schuf er für seine Familie und Freunde einen „Musenhof en miniature". Unter Mitwirkung von Familienmitgliedern, Freunden und Bediensteten wurden z. T. selbst geschriebene Stücke im Liebhabertheater aufgeführt.
Das Theatergebäude, zu dem eine überdachte hölzerne Brücke vom Schlosshof über den Wassergraben führt, entstand durch Umbau und Erweiterung eines barocken Gartenhauses, das vorher hier am Eingang zum Park stand und im Winter Orangen- und Zitronenbäume, Palmen und andere südliche Pflanzen aufnahm. An der zum Wirtschaftshof gelegenen Südseite wurde das Gebäude um einen Bühnenraum mit großen gerasterten Fenstern erweitert. An der dem Park zugewandten Nordseite ließ Carl von Stein eine Eingangsvorhalle mit Säulen und breiter Freitreppe anbauen.
Der gesamte Innenraum ist mit Marmor- oder Türkischpapier flächig tapeziert und gestaltet. Gedruckte und gemalte Bordüren sowie Draperien ergänzen und gliedern die Wandflächen. Diese Art der Raumgestaltung ist ein sehr seltenes Beispiel für die großflächige Verwendung von Marmorpapier welches andernorts, so z. B. in Goethes Wohnhaus, nur sparsam als Element einer Raumfassung eingesetzt wurde.
Der Besucher betritt durch die Eingangstür in der Vorhalle unmittelbar den von Säulen umrahmten Zuschauerraum, der mit Hand gearbeiteten Marmorpapiertapeten ausgekleidet ist. Wände und Decke sind in warmen Gelbtönen, Bögen und Säulen in Grau gehalten. Gemalte Blumenfestons bilden ein festliches Beiwerk.
Der Bühnenraum ist mit himmelblauen marmorierten Papiertapeten geschmückt, von denen sich Fensterrahmen und -brüstungen in leuchtendem Braunrot abheben. Die gesamte Innenarchitektur besteht aus Holz, Pappe und bemaltem Papier - unter den Verhältnissen um 1800, als die Handarbeit noch nicht teuer war, eine preiswerte Gestaltung. Heute eine kostbare Rarität. Jedes Blatt der marmorierten Tapeten ist ein Unikat und wird in aufwändiger Handarbeit hergestellt.

Im Zuge der Wiederherstellung des Kochberger Schlossensembles von 1968 bis 1975 wurde auch das Theater von Grund auf saniert. Dafür wurde das Marmorpapier in der Leipziger Werkstatt für Papierveredlung von Gerhard Hesse von Hand in der originalen Technik (jedes Blatt ein Unikat!) hergestellt. Das Ergebnis dieser aufwändigen Arbeiten war die Wiedergewinnung eines seltenen Raumkunstwerkes im Umfeld der Weimarer Klassik. Die Blumenfestons und einige Bordüren sind noch im Original erhalten.
Nach etwas mehr als dreißig Jahren zeigten sich jetzt vor allem im Theatersaal zunehmend Schäden durch die natürliche Alterung des Materials und der Oberflächen sowie durch die Nutzung als lebendige Spielstätte.
Eigentümer (Klassik Stiftung Weimar) und Nutzer (Freunde des Liebhabertheaters Schloss Kochberg e. V., Theaterbetrieb in der Klassik Stiftung Weimar) erkannten die Notwendigkeit konservatorischer und restauratorischer Maßnahmen. Der Freundeskreis bemühte sich um Spenden und hatte Glück: Die Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen und die Sparkasse Saalfeld-Rudolstadt unterstützten das Vorhaben mit 10.000 Euro, die Sparkassenversicherung mit 1.000 Euro.
Um die eindringende Feuchtigkeit an der „Wetterseite" zu stoppen, musste im Frühjahr 2008 zuerst die Westwand mit einem Schutzanstrich versehen werden. Gleichzeitig wurde die Nordfassade mit der Säulenhalle saniert. Die Freunde des Liebhabertheaters konnten diese Außenarbeiten mithilfe von Spenden und Einnahmen aus dem Kochberger Nikolausmarkt zu wesentlichen Teilen finanzieren.
Von Dezember 2009 bis März 2010 erfolgte die Konservierung und Restaurierung der Raumfassung durch die Restaurierungswerkstatt von Thomas Werner aus Weimar. In monatelanger Kleinarbeit wirkten drei Restauratoren in diesem Winter im Theater, um mit Paletten und winzigen Pinseln zu retuschieren, lose Stellen anzukleben oder Bordüren zu malen.
Nun ist dieses seltene Raumkunstwerk in der Klassik Stiftung Weimar wieder in voller Schönheit zu erleben.
Das Liebhabertheater ist ein sehr lebendiges Museum. Es wird regelmäßig bespielt, im Unterschied zu der Zeit um 1800 aber nicht von Laien, sondern von renommierten Künstlern. Mit seinen nur 75
Plätzen vermittelt es authentisch die Atmosphäre der kleinen Theater und Salons im ausgehenden 18. und frühen 19. Jahrhundert. Von Ostern bis Silvester finden hier an den Wochenenden pro Jahr ca. 40 Opern- und Theateraufführungen, Kammerkonzerte und Lesungen renommierter Künstler vorwiegend mit Werken der Klassik bis Romantik, aber auch des Barock und der Renaissance statt. Den Betrieb des Theaters hat ein Freundeskreis der Klassik Stiftung übernommen. Besonderen Wert legen die „Freunde des Liebhabertheaters Schloss Kochberg e. V." auf die Pflege der historischen Aufführungspraxis. Das Theater gehört zur Europastraße Historische Theater.

Text: Silke Gablenz-Kolakovic, Thomas Werner
Betreiber: Freunde des Liebhabertheaters Schloss Kochberg e. V. www.liebhabertheater.com
Weitere Informationen: Vorstandsvorsitzende Silke Gablenz-Kolakovic vorstand@liebhabertheater.com, Tel.: 03641 / 82 65 38
Kartenreservierung und Verkauf:
ab 1. 4. an der Museumskasse im Schloss Kochberg, 07407 Großkochberg, Tel.: 036743 / 225 32